19.01.2015

Holzverarbeitung und Waldbewirtschaftung sind bedroht

Die Schweizer Sägewerke, Holzwerkstoff- und Papierhersteller sind durch die drastische Frankenaufwertung bedroht. Schon die frühere Aufwertung hat in den Jahren 2010 bis 2013 zu deutlichen Produktionsrückgängen geführt. Die grossen Anstrengungen der Schweizer Holzindustrie zur Kompensation des Währungsnachteils haben im letzten Jahr dennoch Erfolge gezeigt und die Branche für 2015 positiv gestimmt. Jetzt droht ein regelrechter Einbruch. Betroffen davon ist auch die Waldwirtschaft als Rohstofflieferant, die mit nachlassenden Preisen und Mengen rechnen muss. Dies entgegen der dringend Notwendigkeit, mehr Holz zu schlagen, um den Schweizer Wald zu verjüngen und besser für Klimaveränderungen zu wappnen.

Bei den Sägewerken, Papierfabriken, Holzwerkstoff- und Pellets-Herstellern machen die Rohstoffkosten über 60 Prozent aus; die übrigen Kosten für Löhne, Strom, Transporte fallen auch in Schweizerfranken an. Da die Produkte der Holz- und Papierindustrie auch problemlos über die Grenze handelbar sind, führt die Frankenstärke zu einer weiteren Importzunahme und zu einer Erschwerung der Exporte. Das bringt die ganze Grundstoffindustrie Holz in Gefahr. Schon in den Jahren 2010-13 hat die Branche währungsbedingt Produktionsvolumen verloren (Sägeindustrie -27%), und dieser Prozess droht jetzt noch beschleunigt zu werden.

Wälder wird es immer geben…
…aber welche? Parallel zum währungsbedingten Produktionsrückgang in der Holzindustrie ist auch die Holzernte gesunken (Grafik). Die Unternutzung verschärft die Überalterung des Schweizer Waldes; darunter leidet der Schutzwald und die Widerstandsfähigkeit und Stabilität des Waldes ganz allgemein. Ausgerechnet jetzt, in einem Moment, da wesentlich mehr in die Verjüngung des Waldes investiert werden müsste, sind die Holzkäufer gezwungen, die Holzpreise zu senken. Das wiederum könnte die Holzernte stark drosseln und die Versorgung der Holzindustrie gefährden. Sowohl die Waldpolitik 2020, als auch die wichtigen Beiträge der Wald- und Holzwirtschaft zur Energiestrategie 2050 sind massiv in Frage gestellt.

Der Bund ist gefordert
Die Holzverarbeiter werden die neue Situation analysieren und Spielräume bei den Energie- und Transportkosten (Gewichtslimite?) ausloten. Das Hauptaugenmerk gilt aber der Rohstoffseite, und dort dürfen die Waldbesitzer nicht im Regen stehen. Der Bund hat schon in der anstehenden Waldgesetz-Revision die Möglichkeit, mehr Mittel in die Wald-Infrastruktur zu investieren, um die Erntekosten zu senken. Die Waldgesetz-Debatte muss jetzt dringend den Fokus darauf legen, wie auch unter noch währungs-widrigeren Bedingungen die Waldstrukturen verbessert und die Holzindustrie versorgt werden können. Darauf müssen jetzt die Kräfte, Prioritäten und Mittel konzentriert werden.

Produktionsrückgang infolge Frankenaufwertung

Zahlen Holzernte und Verarbeitung: BFS 2008-2013; 2014 geschätzt / Zahlen CHF/EUR: SNB

Auskunft:

Thomas Lädrach, Präsident Task Force Wald + Holz + Energie, 079 350 09 65

Hansruedi Streiff, Direktor Holzindustrie Schweiz, 079 667 12 53

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